WER IST "STADTMARKETING FÜR WETTER E.V."?

Der Verein Stadtmarketing fĂŒr Wetter e.V. setzt sich seit vielen Jahren (1995) fĂŒr die PrĂ€sentation des Standortes Wetter und die gezielte Imagepflege sowie fĂŒr die Verbesserung der AttraktivitĂ€t der Stadt Wetter (Ruhr) gegenĂŒber BĂŒrgern der Stadt Wetter (Ruhr), BĂŒrgern des Umlandes, ansĂ€ssigen sowie ansiedlungswilligen Unternehmen ein. Der Verein will hierzu durch ideelle, sachliche und/oder finanzielle UnterstĂŒtzung geeigneter Veranstaltungen im kulturellen, sportlichen, wirtschaftlichen, sozialen und/oder ökologischen Bereich beitragen. Der Verein kann auch sonstige zur Erreichung des Vereinszweckes geeignet erscheinende Maßnahmen durchfĂŒhren (z. B. Planungs- und Arbeitshilfen, Veröffentlichungen und Ă€hnliche Leistungen).

KONTAKTINFORMATIONEN

Friedrich Harkort

Die Industrialisierung in Westfalen und damit auch die Entstehung des Ruhrgebiets verdanken wesentliche Impulse dem westfĂ€lischen Industriepionier Friedrich Harkort (1793-1880). Er grĂŒndete auf dem am 28. Oktober 1818 angekauften GelĂ€nde der ehemaligen Burg in Wetter Ruhr die "Mechanische WerkstĂ€tte Harkort und Co." Wetter ist damit die Keimzelle der Industrialisierung in Westfalen. Hohes Ansehen erlangte Harkort auch als Bildungs- und Sozialreformer

Friedrich Wilhelm Harkort, geboren am 22. Februar 1793 in Westerbauer bei Haspe und verstorben am 6. MĂ€rz 1880 in Dortmund-Hombruch, ist der "Vater des Ruhrgebiets". Er war Unternehmer und Politiker in der FrĂŒhzeit der industriellen Revolution. Seine "Harkortsche Maschinenfabrik" in unserer Stadt war VorgĂ€nger der DEMAG (Deutsche Maschinenbau Aktiengesellschaft). Der Kohleabbau im Tiefbau wurde durch seine Pumpen, Dampfmaschinen und Bahngleise erst möglich. Die Sorge um das nachhaltige Wohl seiner BeschĂ€ftigten trieb ihn bis nach Berlin als Abgeordneter des Reichstags. Sein Kampf galt dem Verbot von Kinderarbeit, Einrichtung von Krankenkassen fĂŒr Arbeiter, Schulbildung fĂŒr alle, Gesundheitsschutz fĂŒr WerktĂ€tige durch Einrichten von "Berufsgenossenschaften". Seine letzte RuhestĂ€tte liegt auf dem Ardeygebirge im Buchenwald des "Gut Schede" in Herdecke.

Leben

Geboren wurde Friedrich Harkort als fĂŒnftes von acht Kindern des mĂ€rkischen Eisenwarenfabrikanten und Kaufmanns (Reidemeister) Johann Caspar Harkort IV. im Haus Harkorten. Er war unter anderem Bruder des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers Gustav Harkort, des Bergbauingenieurs und Offiziers Eduard Harkort und des Unternehmers Johann Caspar Harkort V. Nach der Grundschule auf dem Quambusch besuchte er ab 1799 die Gewerbeschule in Hagen. Diese schloss er im Jahr 1808 ab. Anschließend machte er eine kaufmĂ€nnische Lehre bei dem Unternehmen Mohl in Barmen-Wichlinghausen. Ab 1813 nahm er zusammen mit seinem Bruder Gustav als Premierleutnant an den Befreiungskriegen teil. Bei Jumet wurde er zweimal verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Im Jahre 1818 heiratete er die Tochter seines frĂŒheren Principals, Auguste Mohl. Seine Tochter Luise heiratete 1856 den Wittener Industriellen Louis Constanz Berger. Harkort starb hochbetagt und wurde in der ErbbegrĂ€bnisstĂ€tte Harkort in Herdecke bei Gut Schede beerdigt. 1861 erhielt Harkort den preußischen Roten Adlerorden 3. Klasse. Nach Friedrich Harkort wurden zahlreiche Objekte und Örtlichkeiten benannt.

Unternehmerisches Wirken

Das unternehmerische Wirken Harkorts war insbesondere von technischen und sozialen Pionierleistungen geprĂ€gt. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg hingegen stellte sich bei seinen Unternehmungen nicht ein. Der Grund hierfĂŒr dĂŒrfte nicht zuletzt darin gelegen haben, dass Harkort grundsĂ€tzlich jedem Interessierten gestattete, die von ihm errichteten Betriebe zu besichtigen, die dort praktizierten Verfahren im Detail zu studieren und bei Bedarf beim Aufbau entsprechender Betriebe mit Rat und Tat zur Seite stand. In seinem Bestreben, der industriellen Entwicklung seiner Heimat Vorschub zu leisten, unterstĂŒtzte er tatkrĂ€ftig die eigene Konkurrenz. Den tragischen Höhepunkt bildete dabei der Umstand, dass er ausgerechnet im Jahr 1847, in dem die Anbindung Hombruchs an die von ihm angeregte Stammstrecke der Bergisch-MĂ€rkischen Eisenbahn-Gesellschaft seine großen Besitzungen, die er 1827 dort erworben hatte, wirtschaftlich interessant werden ließ, ebendiese durch PfĂ€ndung und Zwangsverkauf weitestgehend verlor.

Industriepionier

In seiner Heimat galt Friedrich Harkort als unruhiger Geist. Nach dem Tode seines Vaters 1818 grĂŒndete er zunĂ€chst auf dem vĂ€terlichen Gut Harkorten eine Gerberei und betrieb einen Kupferhammer am nahegelegenen Deilbach. Schon ein Jahr spĂ€ter ĂŒbergab er diese beiden Unternehmen an Verwandte und grĂŒndete zusammen mit dem Elberfelder Kaufmann und Bankier Heinrich Kamp auf der Burg innerhalb der Stadt Wetter die Mechanische WerkstĂ€tten Harkort & Co. zur Herstellung von Dampfmaschinen und Gasbeleuchtungsapparaten. Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav grĂŒndete er zudem ein Unternehmen, das Spedition und Kommission betrieb und mit englischen Garnen handelte. Die preußischen Behörden förderten Harkorts Werk als erstes Eisenindustriewerk in Westfalen und als eine der ersten Maschinenbaugesellschaften im Ruhrgebiet, denn dieses profitierte von den Wasserhaltungsmaschinen fĂŒr den aufstrebenden Bergbau an der Ruhr. Bereits 1826 wurde in dem nach englischen Vorbildern gebauten Puddel- und Walzwerk das Puddelverfahren eingefĂŒhrt.

Aus Harkorts Unternehmen ging spĂ€ter die Demag in Wetter hervor (heute Terex MHPS GmbH). Zu seinen FrĂŒhtaten auf sozialem Gebiet gehörte innerhalb seines Unternehmens die Schaffung einer Betriebskrankenkasse nach dem Vorbild der Berggewerkschaftskassen des damaligen Bergbaus. Harkort gilt als frĂŒher Pionier der industriellen Revolution.

Bahnpionier

Im Jahre 1825 veröffentlichte Harkort in der Nummer 26 der Zeitschrift "Hermann" den Aufruf, zwischen Köln am Rhein und Minden an der Weser eine Eisenbahn zu bauen. Zu dieser Zeit begann man in Deutschland das Thema zu beachten, und Harkort handelte wie ein Unternehmer, als er seinen Artikel unter der Maßgabe einer gewissen Marktstrategie veröffentlichte. Sein Aufsatz begann mit den Worten:

1825

Durch die rasche und wohlfeile Fortschaffung der GĂŒter wird der Wohlstand eines Landes bedeutend vermehrt...
Friedrich Harkort

Als im Jahre 1824 der englische Ingenieur Henry Robinson Palmer eine Einschienenbahn vorstellte, bei der hĂ€ngende TransportbehĂ€lter von Pferden gezogen wurden, ließ Harkort durch seine Fabrik 1826 probehalber in Elberfeld (heute zu Wuppertal) eine solche Bahn aufstellen. Gemeinsam mit dem Bergrat Heintzmann versuchte er, die Öffentlichkeit fĂŒr diesen VorlĂ€ufer zu interessieren, was sich aber erst 75 Jahre spĂ€ter mit dem Bau der Wuppertaler Schwebebahn niederschlug.

Harkorts Überlegungen als Unternehmer galten aber vor allem dem Fernverkehr, denn fĂŒr den einheimischen Bergbau besaß Harkort und sein Unternehmen im Jahre 1829 bereits eine ProduktionskapazitĂ€t von einer Million Pfund Schienen.

1828 grĂŒndete Friedrich Harkort gemeinsam mit Nikolaus Egen, seinem Schwager Ludwig Mohl (der den Kupferhammer im Deilbachtal betrieb), dem promovierten Mediziner Voß aus Steele (heute Stadtteil von Essen) und den Langenberger Kaufleuten Reichmann und Meyberg die erste Eisenbahn-Aktiengesellschaft auf deutschem Boden – die Prinz-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft. Ihr Zweck war der Bau der Deilthaler Eisenbahn (Deilthaler Eisenbahn Aktiengesellschaft), welche am 20. September 1831 eröffnet wurde und den Namen Prinz-Wilhelm-Eisenbahn erhielt.

Im Jahre 1828 wurde unter seinem maßgeblichen Einfluss auch die seit 1820 im Bau befindliche Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn im ersten, eine Preußische Meile langem Abschnitt, eröffnet. Es war die erste Eisenbahn Deutschlands ĂŒber die LĂ€nge von einer preußischen Meile, die zweite Eisenbahn Deutschlands ĂŒber diese LĂ€nge war die Deilthaler Eisenbahn, welche ebenfalls von Harkort errichtet wurde. Ein Jahr spĂ€ter, im Jahre 1829 wurde Harkort in den westfĂ€lischen Provinziallandtag gewĂ€hlt. Dort wiederholte er 1831 seinen Vorschlag. 1833 veröffentlichte Harkort nochmals seinen Aufruf: "Die Eisenbahnen von Minden nach Cöln". Das Resultat war eine Aktiengesellschaft, die sich um das notwendige Kapital fĂŒr den Bau der Strecke bemĂŒhte, denn der preußische Staat war nicht willens oder in der Lage, die Strecke zu bauen.

Auf Grund widriger UmstĂ€nde konnte das Unternehmen einige Zeit spĂ€ter nicht mehr fortgefĂŒhrt werden. Erst 1847 war die Strecke vollstĂ€ndig befahrbar und wurde von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft betrieben. 1844 bis 1848 wurde nach von Harkort entwickelten PlĂ€nen die Stammstrecke der Bergisch-MĂ€rkischen Eisenbahn-Gesellschaft gebaut.

Politisches Wirken

Bildungspolitik

Friedrich Harkort war maßgeblich an der Bildungspolitik der deutschen Nation im 19. Jahrhundert beteiligt. Er grĂŒndete den "Verein fĂŒr die deutsche Volksschule und fĂŒr Verbreitung gemeinnĂŒtziger Kenntnisse", kurz: Volkshochschulverein. Der Verein zĂ€hlte binnen kĂŒrzester Zeit 2500 Mitglieder aus dem gehobenen BĂŒrgertum. Unter diesen fanden sich viele BefĂŒrworter einer neuen Schulform, welche es den Volksschullehrern ermöglichen sollte, ihren niedrigen Stand zu verlassen. Dies war ein heikles Thema, da weder Staat noch Kirche daran interessiert waren, "mĂŒndige Lehrer" mit dem Bildungsauftrag zu versehen. Vielmehr entsprach das gewohnte Bild des "Katecheten" nach wie vor den Vorstellungen der Obrigkeit.

Harkort erkannte die entstehenden MissstĂ€nde bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung einerseits und durch unzulĂ€nglichen Ausbau der Bildungsmöglichkeiten fĂŒr das Proletariat andererseits und verfasste eine 1844 veröffentlichte Anklageschrift mit dem Titel "Bemerkungen ĂŒber die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der unteren Klassen", aus welcher folgende Zitate stammen:

1844

100.000 Fibeln, die 3000 Taler kosten, haben einen grĂ¶ĂŸeren Wert fĂŒr die Erziehung der Menschheit als 100.000 Bewaffnete, die jĂ€hrlich 9 Millionen verschlingen.

8000 Menschen, die auf einer Quadratmeile leben, bedĂŒrfen, um bestehen zu können, eines höheren Grades von Bildung und Kenntnissen, als einige Hirten, die auf wĂŒster FlĂ€che schweifen.
Friedrich Harkort

Mit dem VerstĂ€ndnis fĂŒr Missstand und Ungerechtigkeit setzte Harkort sich ĂŒber 20 Jahre in der Verfassungsgebenden Nationalversammlung Preußens fĂŒr die Aufhebung der Regulative und fĂŒr die Verabschiedung des Unterrichtsgesetzes ein.

Sozialpolitik

Harkort war Kreistagsabgeordneter, ab 1830 Mitglied des WestfĂ€lischen Provinziallandtags und 1848 Abgeordneter der konstituierenden preußischen Nationalversammlung. Dort war er Namensgeber und fĂŒhrende Persönlichkeit der Fraktion Harkort. Von 1867 bis 1870 war er Mitglied des Norddeutschen Reichstags fĂŒr den Wahlkreis Hagen (Arnsberg 5) und von 1871 bis 1874 fĂŒr denselben Wahlkreis Mitglied des Deutschen Reichstages, dort galt er als fortschrittlich-liberaler Politiker und schloss sich in beiden Legislaturperioden der Fraktion der Fortschrittspartei an. Außer fĂŒr bildungs- und sozialpolitische Belange engagierte er sich auch fĂŒr Verkehrs- und Wirtschaftspolitik.

Als Reichstagsabgeordneter forderte Harkort fĂŒr die Arbeiter feste Anstellungen und feste Löhne. Auch schlug er eine "Gewinnbeteiligung der Arbeiter" vor und forderte ein "Verbot aller Kinderarbeit". Ab 1856 wurden nach seinen Forderungen UnterstĂŒtzungskassen fĂŒr Arbeiter und Handwerker eingerichtet. Bekannt ist heute noch seine Schrift "Über die soziale Frage".

Die Ereignisse der 48er Revolution veranlassten ihn, einen offenen Brief ("Bienenkorbbrief" wegen eines Holzschnittes auf dem Titelblatt, der einen Bienenkorb zeigt) an seine Arbeiter zu schreiben. Inhalt dieses Briefes war die Auseinandersetzung Harkorts mit den durch die fortschreitende Industrialisierung hervorgerufenen sozialen VerĂ€nderungen. Harkort charakterisiert in seinem Brief den Unternehmer als fleißig, der das Investitionsrisiko trĂ€gt, der zum Wohlstand verhilft, die Barbarei abwendet und dem Leistungsprinzip unterliegt. Den Arbeiter klassifiziert er als den "braven Arbeiter" oder den Proletarier. Ersteren hat Gott mit gesundem Menschenverstand und der Kraft seiner HĂ€nde gesegnet. Daher muss jener auch durch soziale Einrichtungen unterstĂŒtzt werden. Der Proletarier hingegen sei verwahrlost, bringt seinesgleichen zur Welt, hat sein Handwerk nicht erlernt, beraubt andere und bildet den Krebsschaden der Kommune.

Bildergalerie (1)

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